Rund 30 Gäste treffen sich in Sunderns Wohnzimmer – Vom Krimi bis zum Kinderbuch reicht die Auswahl beim dritten Buchstabensalat

Nele Neuhaus trifft auf Fatma Aydemir, ein Kriminalfall aus dem Hamburg der Nachkriegszeit steht neben einer Familiengeschichte über das Leben zwischen verschiedenen Kulturen – und auch Kinderbücher haben ihren Platz. Beim dritten „Buchstabensalat“ in Sunderns Wohnzimmer war der Name wieder Programm: Gelesen wird, was gefällt – und anschließend wird darüber gesprochen.

Rund 30 Literaturinteressierte kamen am Dienstagabend zu dem monatlichen Büchertreff, den Sunderns Wohnzimmer gemeinsam mit dem Förderverein der Stadtbücherei veranstaltet. Der Termin Ende September war bewusst gewählt: Kurz vor der Frankfurter Buchmesse sollte sich auch in Sundern alles um Bücher, Geschichten und persönliche Entdeckungen drehen.Das Prinzip des Buchstabensalats ist einfach. Wer kommt, kann ein Buch mitbringen und den anderen vorstellen. Niemand muss, jeder darf. Eineinhalb Stunden dauert der Abend, unterbrochen von einer 15-minütigen Pause. So entsteht keine klassische Lesung mit Bühne und Publikum, sondern ein Austausch unter Menschen, die gerne lesen und neugierig darauf sind, was andere gerade auf dem Nachttisch liegen haben.

Und die Auswahl zeigte, wie unterschiedlich diese Nachttische offenbar bestückt sind. Mit „Alles wird Asche“ von Nele Neuhaus war ebenso ein Krimi vertreten wie Cay Rademachers „Der Trümmermörder“, der ins Hamburg des Jahres 1947 führt. Fatma Aydemirs „Dschinns“ erzählt dagegen eine Familiengeschichte über ein Leben zwischen verschiedenen Kulturen, während Takis Würgers „Für Polina“ die Geschichte von Hannes und Polina in den Mittelpunkt stellt. Auch ein Buch mit direktem Bezug zu Sundern gehörte an diesem Abend dazu. Werner Neuhaus beschäftigt sich in „Über Hexen, Kötten, Juden und Gastarbeiter“ mit unterschiedlichen Kapiteln der Stadtgeschichte. Erst vor wenigen Tagen hatte der Autor in Sunderns Wohnzimmer selbst aus seinem neuen Buch gelesen. Daneben fanden Sachbücher, Gedichte und gesellschaftliche Themen ebenso ihren Platz wie Geschichten für jüngere Leser. Mit „Das kleine Herbsthotel“ von Davide Cali und „Das gute Ei“ von Jory John wurden beispielsweise auch Kinderbücher vorgestellt. Selbst ein literarischer Katzenkalender schaffte es in die Runde – verbunden mit dem Hinweis, dass Hundefreunde ebenfalls nicht leer ausgehen.

Gerade diese Mischung macht den Charakter des Buchstabensalats aus. Es gibt keine vorgegebene Bestsellerliste und kein Genre, das den Abend bestimmt. Was auf den Tisch kommt, entscheiden die Besucher. Ein Buch, das den einen begeistert hat, landet so möglicherweise auf der Leseliste des nächsten.

Nach drei Ausgaben hat sich damit in Sunderns Wohnzimmer ein Format entwickelt, bei dem Literatur weniger vorgetragen als miteinander geteilt wird. Rund 30 Besucher beim jüngsten Treffen zeigen, dass dafür Interesse vorhanden ist.

Und wer beim nächsten Buchstabensalat dabei sein möchte, braucht im Grunde nur zwei Dinge: Lust auf Bücher – und vielleicht eines im Gepäck, von dem andere unbedingt erfahren sollten.