Tobias Beitzel trifft mit seinem Programm den Nerv des Publikums in Sunderns Wohnzimmer – Zwischen Poesie, Ironie und erstaunlich vertrauten Dorfgeschichten
Kein Stuhl blieb frei, als Tobias Beitzel mit seinem Programm „Dorfkind“ in Sunderns Wohnzimmer zu Gast war. Und schon nach kurzer Zeit wurde deutlich: Viele im Publikum kannten die Geschichten, von denen Beitzel erzählte, vielleicht nicht genauso – aber doch irgendwie ziemlich ähnlich.

Denn wer auf dem Dorf lebt oder dort groß geworden ist, dem sind Schützenverein, Männergesangverein und Sportverein nicht fremd. Beitzel nahm genau diese Institutionen und die Menschen dahinter in den Blick. Er erzählte von Eigenheiten und Ritualen, von Gemeinschaft und kleinen Absonderlichkeiten, die Außenstehenden bisweilen erklärungsbedürftig erscheinen, für Einheimische aber ganz selbstverständlich zum Dorfleben gehören. Dabei brauchte es keine großen Pointen im Minutentakt. Oft genügte eine Beobachtung, ein Satz oder eine vertraute Situation. Das Schmunzeln in den Gesichtern der Zuschauer zeigte immer wieder: Da fühlte sich jemand ertappt. Oder erinnerte sich zumindest an einen Menschen, auf den die Beschreibung verdächtig gut passte.

„Dorfkind“ bewegte sich dabei zwischen Poesie und Realität, zwischen liebevoller Betrachtung und feiner Ironie. Beitzel machte sich nicht über das Dorfleben lustig, sondern nahm es mit all seinen Besonderheiten ernst genug, um darüber lachen zu können. Gerade dieser Wechsel sorgte für einen abwechslungsreichen Abend. Das voll besetzte Sunderns Wohnzimmer bot dafür den passenden Rahmen. Nähe zwischen Künstler und Publikum gehört hier ohnehin zum Konzept – bei einem Programm über das Dorfleben funktionierte sie besonders gut.
Und offenbar war es nicht der letzte Abend mit Tobias Beitzel in Sundern. Zum Abschluss kündigte er an, im kommenden Jahr mit einem neuen Programm wiederkommen zu wollen.
Nach diesem Abend dürfte er dabei auf einige bekannte Gesichter treffen. Denn „Dorfkind“ machte vor allem eines: Lust auf mehr.

